David Van Reybrouck


© Lenny Oosterwijk
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Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2016
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David Van Reybrouck

1971, Brügge. Schriftsteller. Essayist. Dichter. Theaterautor.
David Van Reybrouck studierte Archäologie und Philosophie in Löwen und Cambridge. Dann entpuppte er sich als einer der talentiertesten und vielseitigsten Autoren in Flandern. Sein erstes Buch De plaag [Die Plage] erschien 2001 und wurde gleich mehrmals ausgezeichnet. Sein größter Erfolg ist Congo. Een geschiedenis (2010) / Kongo. Eine Geschichte. Hier zeigt er sich als nicht-fiktionaler Autor. Für das Buch erhielt er den AKO Literaturpreis. Die Jury beschreibt es als „eine klug komponierte Geschichte über Sklaverei und Kolonialismus, Flexibilität und Überleben“. Van Reybrouck ist auch ein begnadeter Theaterautor und Dichter. 2007 initiierte er das Brüsseler Dichterkollektiv, in dem Dichter jeden Alters, jeder Stilrichtung und mit ganz verschiedenem Hintergrund zusammentreffen. Recherchearbeit ist die Grundlage für alle seine Geschichten und Theaterstücke, er führt Interviews und Gespräche und geht in Archive. Dadurch sind in seinen Büchern Fakten und Fiktion eng miteinander verwoben. Er selbst beschreibt sein Werk „als Versuch zu einem Dialog mit unserer Zeit“ zu kommen. Seine Bücher wurden bereits in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt.

Links

  Übersetzungen   www.davidvanreybrouck.be   www.auteurslezingen.be   De Bezige Bij   Wallstein   Suhrkamp

Übersetzte Bücher

Gegen Wahlen – Warum
Abstimmen nicht demokratisch ist

Übersetzung von Arne Braun
Wallstein, 2016
Originaltitel: Tegen verkiezingen (De Bezige Bij, 2013)

















Wahlen sind ein primitives Instrument mit einer verrückten Logik. Sie führen dazu, dass Politiker Dinge versprechen, die sie nicht halten können.
David Van Reybroucks Debattenbuch könnte aktueller nicht sein.
Es ist seltsam mit der Demokratie. Jeder ist dafür, aber keiner glaubt mehr so recht daran, dass sie funktioniert, jedenfalls nicht durch Wahlen. Wenn die Ergebnisse anders lauten als gewünscht, ist rasch der Vorwurf des Populismus im Raum. Immer weniger Menschen gehen wählen, die Mitgliederzahlen der politischen Parteien gehen dramatisch zurück. Wie kann überhaupt eine Demokratie effizient arbeiten und langfristig tragfähige Entscheidungen treffen, wenn die Politiker ihr Handeln vor allem an einem ausrichten müssen: Bei der nächsten Wahl wollen sie wiedergewählt werden.
David Van Reybrouck beschreibt diesen Mechanismus mit bestechend klaren Argumenten als »demokratisches Ermüdungssyndrom«. Wie kommen wir davon weg? Vielleicht sind ganz neue Wege nötig, auch wenn sie auf den ersten Blick ganz weltfremd erscheinen? David Van Reybroucks Vorschläge nehmen ein sehr altes demokratisches Prinzip auf, das schon im antiken Athen praktiziert wurde: Das Los. Bis hin zur Französischen Revolution wurde dieses demokratische Mittel oft angewendet, etwa auch in blühenden Republiken wie Venedig oder Florenz zu Zeiten der Renaissance. David Van Reybrouck zeigt, wie das auch heute ganz praktisch unsere machtlos gewordene Demokratie lebendiger machen kann.
Das beste Buch über Politik, das ich im vergangenen Jahr gelesen habe: auf kaum 150 Seiten macht der Autor deutlich, wie wir die Politik zurückerobern können und müssen.

Paul Verhaeghe