Manon Uphoff


© Gerlinde de Geus
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Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2016
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Manon Uphoff

1962, Utrecht.
Begnadete Kurzgeschichtenautorin und Verfasserin dreier bemerkenswerter Romane.


Manon Uphoff debütierte 1995 mit dem Kurzgeschichtenband Begeerte [Begierde], der anschließend für den AKO-Literaturpreis nominiert wurde. Zwei Jahre später erschien mit Gemis [Mangel], dem provokanten Porträt eines pubertierenden Teenagers, ihr erster Roman, der Uphoff eine Nominierung für Libris-Literaturpreis einbrachte. Auch ihre nachfolgenden Erzählbände sowie drei Novellen und ein Roman wurden von den Kritikern wohlwollend empfangen. Ihr jüngster Roman De spelers [Die Spieler] (2009) handelt von einer Liebesbeziehung zwischen einer Niederländerin und einem Flüchtling aus Sarajevo und entstand nach einer Reise Uphoffs in die ehemaligen Kriegsgebiete des Balkans. Die Folgen des Jugoslawienkrieges im Hintergrund der Handlung bilden einen scharfen Gegensatz zu der vor Vitalität strotzenden Geschichte. Uphoffs Œuvre konzentriert sich darüber hinaus vor allem auf die ungewöhnliche Innenwelt ihrer Protagonisten, oftmals eigensinnige Typen mit irrationalen Verhaltensweisen, die ihren Platz in einer ebenso wunderlichen Familie suchen. Kritiker schätzen Uphoff für ihre enorme bildende Kraft und ihre lakonische und zugleich scharfzüngige Sprache. Ihre kompakten Geschichten haben häufig etwas Märchenhaftes, wobei sich diese Märchen mit Voranschreiten der Handlung als durchweg düster entpuppen – bezaubernd, aber gefährlich. Ihre Werke wurden ins Deutsche und Englische übersetzt.

Links

  http://www.manonuphoff.nl/   Niederländische Stiftung für Literatur   Übersetzungen   De Bezige Bij   Edition Fünf

Übersetzte Bücher

Wär mein Klavier doch ein Pferd - Erzählungen aus den Niederlanden
Edition Fünf, 2016
Übersetzung von Bettina Bach, Helga van Beuningen, Anna Carstens, Doris Hermanns, Andrea Kluitmann, Christiane Kuby


Lakonisch, direkt, mit einem klaren Blick für die Absurditäten des Lebens erzählen die Autorinnen aus dem Land an der Nordsee. Knapp und eigenwillig, aus oft schräger Perspektive richten sie den Blick auf das Persönliche, das immer auch geprägt ist durch die Historie: die nationalsozialistische Besatzungszeit und deren Nachbeben etwa oder das Verhältnis zu den ehemaligen Kolonien in Südostasien. Im Zentrum ihrer Geschichten stehen Schlüsselmomente der Kindheit, Brüche und Weichenstellungen im Erwachsenenleben, Dramen, die an den Grundfesten des Daseins rütteln.

Die Nahaufnahmen aus über hundert Jahren niederländischer Literatur beleuchten höchst unterschiedliche Situationen – manchmal alltägliche, manchmal skurril-komische, manchmal tragische Momente – und haben doch einen gemeinsamen Tenor: Sie alle loten auf ihre Weise die Grenze zwischen dem Ich und der Außenwelt aus und fragen, wo die Wahrung des Eigenen in Intoleranz mündet. Das Bild, das sie dazu von unserem Nachbarland, den Niederlanden, zeichnen, ist uns vielleicht ähnlicher, als man auf den ersten Blick vermuten mag.
Ein gelungener und anspruchsvoller Einstieg in die von Frauen geschriebenniederländische Literatur, der zum Weiterlesen animiert.

Aviva Berlin