Wytske Versteeg


© Eline Spek
}
Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2016
EN NL DE

Wytske Versteeg

1983, Leiden
Autorin, Essayistin und Politikwissenschaftlerin.

Versteeg debütierte mit dem Sachbuch Dit is geen dakloze (2008) (Das ist kein Obdachloser), das auf der Grundlage ihrer Erfahrungen als Ehrenamtliche bei einer Obdachlosenorganisation entstand. Mit ihrem Romandebüt De wezenlozen (2012), (Die Unwirklichen) über den zerstörenden Einfluss von Eltern auf das Leben ihrer Kinder, gewann sie den Vrouw Debuutprijs. Für ihren zweiten Roman, Boy (2013), erhielt sie den BNG Literatuurprijs. In diesem Buch, über die Suche einer Mutter nach den Ursachen für den ungeklärten Tod ihres Adoptivsohnes, beschreibt sie mit gnadenloser Präzision die menschlichen Unzulänglichkeiten. Die Übersetzungsrechte wurden an Deutschland, Großbritannien, Dänemark und die Türkei verkauft. 2015 erschien der Roman Quarantaine (Quarantäne), der von der Kritik wiederum sehr begeistert empfangen wurde. Versteeg schreibt außer Büchern auch Essays, Gedichte und Theatertexte.

Links

  Lesung Wytske Versteeg 02.08.2016   Übersetzungen   Dutch foundation for literature   Wytske Versteeg   Prometheus   Klaus Wagenbach

Übersetzte Bücher

Boy
Übersetzt von Christiane Burkhardt
Klaus Wagenbach, April 2016
Originaltitel: Boy (Prometheus, 2013)


Ich kann nicht mehr. Den Zettel mit seinen letzten Worten deponiert der schöne, stille Boy in der Manteltasche seiner Theaterlehrerin. Als sie ihn findet, ist es längst zu spät.

Ein Paar nimmt in einem afrikanischen Kinderheim ihren Adoptivsohn in Empfang. Sie sind unsicher, aber voller Hoffnung. Sie wollen dieses Kind retten, ihm die Welt eröffnen, alle Zoos und Vergnügungsparks besuchen. Aber ihr Boy ist nervös, ängstlich, durch Kleinigkeiten zu verstören. Erst nuschelt er, dann stottert er, dann hört er ganz auf zu sprechen. In der Schule ist er ein Außenseiter, dessen Mitschüler zu seiner Geburtstagsparty nicht erscheinen. Seine Eltern bemühen sich, aber seine Höflichkeit ihnen und ihren Angeboten gegenüber verwandelt sich in Unnahbarkeit. Spätestens als er aufhört, Kind zu sein, haben sie ihn verloren. Berührend, ergreifend und ohne Voyeurismus dringt die Autorin tief in die Seelen ihrer Figuren ein, sie folgt dem Weg der Trauer, den die Eltern und die Lehrerin als seine einzige Vertrauensperson gehen, sie erspürt die Wucht der Schuld und das Bedürfnis nach Rache für eine Tat, die nicht gerächt werden kann.
Ähnliches hat man noch nicht gelesen, und doch erkennt man in jedem Satz etwas Wahres.

Jury des BNG-Literaturpreises

Wytske Versteeg ist eine der besten Autorinnen ihrer Generation. Oder vielleicht einfach die Beste.

NRC Handelsblad