DAVID CLAERBOUT. Untitled (anonymous)
28.09. – 06.11.2016



Anlässlich des Auftritts von Flandern und den Niederlanden als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und im Rahmen der Serie Im Städel Garten präsentiert das Städel eine neue Arbeit des belgischen Künstlers David Claerbout (*1969). Das eigens für das Städel Museum entwickelte, 60-minütige Video Untitled (anonymous) erscheint auf den ersten Blick wie eine Aneignung des beliebten Zeichentrickfilms Das Dschungelbuch von Wolfgang Reitherman aus dem Jahr 1967.

Claerbout hat für seine Arbeit ein aufwendiges Remake der Zeichnungen anfertigen lassen– mit dem zentralen Unterschied, dass er den bekannten Tieren, dem Bären, dem Panther, der Schlange oder dem Tiger, ihre vermenschlichte Wesensart genommen und folglich jeglichen narrativen Faden entfernt hat.
Sie bewegen sich nun durch den Dschungel wie Artgenossen in einer Tierdokumentation, ungestört von den Erzählungen der Menschheit. Anstatt die Geschichte eines kleinen Jungen zu erzählen, kulminiert die Videoarbeit immer zur vollen Stunde in der letzten Szene des Originalfilms von 1967: Das singende Mädchen kommt in den Dschungel, um Wasser zu holen. Diese Szene wird für Claerbout zum Anfangsund Endpunkt seines Loops, der über einen großen LED-Bildschirm Stunde um Stunde die Zeit im Städel
Garten strukturiert. 

David Claerbout verwendet in seinen fotografischen und filmischen Installationen visuelle Materialien,
die von vorgefundenen historischen Fotografien über rekonstruierte Bilder bis hin zu nach seinen Regieanweisungen gedrehtem Filmmaterial reichen. Er überarbeitet das Material digital und lässt so die Grenzen zwischen Fotografie und Film verschmelzen. Claerbout dekonstruiert lineare Abläufe von Zeit
und hinterfragt damit, wie wir mit Bildern Geschichten erzählen.

Städel Museum, Schaumainkai 63 – Frankfurt am Main